Das AlphornDuo Westerwald in der Presse

Rhein-Zeitung Altenkirchen

von: Julia Hilgeroth-Buchner

Altenkirchen. 

Da staunen die Spaziergänger: Mitten im Parc de Tarbes in Altenkirchen stehen zwei Herren in rustikaler Trachtenkleidung und blasen hingebungsvoll in ihre 3,62 Meter langen, hölzernen Instrumente. Erdig-warme Klänge breiten sich aus, und im Verbund mit der saftig-grünen Wiese und dem bunten Blühstreifen im Hintergrund ist die Illusion von der Almhüttenromantik perfekt. Alphörner im Westerwald? Passt das? Ja, denn diese Szene ist Ausdruck purer Leidenschaft für eines der ältesten Instrumente überhaupt.

Hans Hammer und Guntram Kochhäuser sind Musiker vom Lodenhut bis zur Lederhose und ein Dreamteam, das sich vor gar nicht allzu langer Zeit gesucht und gefunden hat. Hammer, der als Gründer des Drehorgelduos „Romantica“ und als Multi-Instrumentalist bekannt ist, suchte nach der Auflösung seines ursprünglichen Alphornensembles nach einem neuen Partner. „Ich wandte mich an einen Bekannten, der Kontakte zum Jugendblasorchester Mehrbachtal hatte, und der empfahl mir Guntram.“ Ein goldrichtiger Tipp, denn Kochhäuser begann mit acht Jahren Tenorhorn zu spielen und ist dem Instrument nun seit 50 Jahren treu. Er wirkte in der „Ussinger Bloskapell“ und als Waldhorn-Spieler im Blechbläserensemble „Musica Cathedralis“ mit, die beide auf ihre Weise für gute Laune auf hohem Niveau sorgten. Auch solistisch ist er aktiv. „Das Alphorn war jetzt eine ganz neue Herausforderung“, sagt Kochhäuser.

Im Oktober 2017 entsteht der erste Kontakt, im November fahren die beiden Musiker schon in den Schwarzwald, um ein Instrument für Kochhäuser auszusuchen. „Ich brauchte eines für die erste oder zweite Stimme, also eines mit dünnwandiger Bauweise, und habe zwölf Instrumente ausprobiert“, erinnert er sich.


Dann beginnen die Proben mit originalem Alphorn-Notenmaterial. „Es ist traditionelle, harmonische Musik, die Zuhörer aller Altersstufen erfreut“, sagt Hammer. Entstanden aus dem Hirtenhorn – einem urigen Signalinstrument aus Holz – ist auch das Alphorn ein einfaches, aber mit hoher Präzision gefertigtes, anspruchsvolles Holzinstrument ohne Tasten und Ventile. Sein Partner bringt die beste Voraussetzung mit, nämlich einen hervorragend trainierten bläserischen Ansatz. „Einfach ist es nicht, denn nur hineinblasen reicht nicht, um harmonische Musik zu machen“, betont Hammer. „Man muss stets und ständig auf den Nachbarn hören“, weiß Kochhäuser.

Bereits die zweite Probe klappt nach Aussagen der Herren zu fast 100 Prozent perfekt. Das Blasen ins hölzerne Mundstück ist trotz Routine ziemlich anstrengend: „Eine Stunde Alphorn blasen ist wie zwei Stunden Waldhorn spielen.“ Umso erstaunlicher, dass das monströse Instrument ein Leichtgewicht ist. Knappe zwei Kilogramm wiegt es und kann zum Transport gedrittelt werden. So ist das Proben im Freien auch kein Problem.

Am liebsten treffen sich die Alphornfans am Waldrand nahe Helmenzen. Gemessen an ihrer kurzen Bekanntschaft haben sie schon viele Auftritte absolviert, darunter private Feste, der Weyerbuscher Backestag und das Altenkirchener Stadtfest. Rund eine Stunde dauern die Gastspiele – „aber nicht am Stück, das geht kräftemäßig nicht“. Da das Duo auch gerne moderiert, sind die Auftritte äußerst kurzweilig fürs Publikum, abgesehen davon, dass alleine das Zuschauen schon interessant ist.

Hammer und Kochhäuser freuen sich darauf, ihre Instrumente bekannter zu machen und nehmen gerne Aufträge unter:

(Tel. 0171/81 71 002) an.

Und wenn sie grade nicht konzertieren, dann besinnen sie sich in ihren Proben auf all das, wofür das Alphorn steht:

Freude, aber auch Temperament, Ruhe, Frieden und ganz viel Heimatverbundenheit.

RZ Kreis Altenkirchen vom Samstag, 23. Juni 2018, Seite 22